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Forschung & Studien

NAD+ Nebenwirkungen: Was Studien zu Infusion, NMN und NR zeigen

Peptika Redaktion · Veröffentlicht · 3 Min. Lesezeit

NAD+ Nebenwirkungen: Was Studien zu Infusion, NMN und NR zeigen

NAD+ (Nicotinamidadenindinukleotid) ist ein Coenzym, das in jeder Zelle vorkommt. Es ist an der Energiegewinnung in den Mitochondrien beteiligt und dient Enzymen wie Sirtuinen und PARPs als Substrat. Weil der NAD+-Spiegel in einigen Geweben mit dem Alter sinkt, ist NAD+ eines der meistdiskutierten Themen der Alternsforschung. Mit Infusionen, Kapseln und Pulvern wächst die Frage: Welche Nebenwirkungen hat NAD+?

Welche Form ist gemeint?

„NAD+ einnehmen“ kann sehr Verschiedenes bedeuten. Die Sicherheitsdaten unterscheiden sich je nach Form deutlich:

Form Was passiert Datenlage zur Verträglichkeit
NAD+-Infusion (intravenös) NAD+ wird direkt ins Blut gegeben sehr klein, vor allem Pilotstudien
NAD+ oral (Kapseln, Pulver) NAD+ wird im Verdauungstrakt größtenteils zu kleineren Bausteinen abgebaut kaum eigene Studien
Nicotinamid-Ribosid (NR) Vorstufe, wird in der Zelle zu NAD+ umgebaut mehrere randomisierte Studien
Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) Vorstufe, wird in der Zelle zu NAD+ umgebaut mehrere kleinere randomisierte Studien
Niacin (Nicotinsäure) klassische Vorstufe, Vitamin B3 seit Jahrzehnten bekannt

NAD+-Infusionen

NAD+-Infusionen werden in Deutschland von privaten Praxen angeboten. Ein zugelassenes Arzneimittel für diesen Zweck gibt es nicht, und kontrollierte Studien zu Wirksamkeit oder Sicherheit sind rar. Eine Pilotstudie (Grant et al., 2019) untersuchte bei gesunden Männern, wie sich der NAD+-Stoffwechsel während einer langsamen Infusion über sechs Stunden verändert. Sie zeigte, dass zugeführtes NAD+ im Körper rasch umgebaut wird.

Aus der Praxis wird berichtet, dass zu schnelle Infusionen Beschwerden auslösen können: Übelkeit, Bauchkrämpfe, Kopfschmerz, Hitzegefühl und ein Engegefühl in der Brust. Deshalb laufen Infusionen über mehrere Stunden. Systematisch erfasst sind diese Beobachtungen nicht.

Kosten: Infusionen sind eine Selbstzahlerleistung; die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt sie nicht. Die Preise legt jede Praxis selbst fest.

„NAD+-Infusion selber machen“: Eine intravenöse Infusion ist ein ärztlicher Eingriff. Sterilität, die richtige Infusionsgeschwindigkeit und die Überwachung von Kreislaufreaktionen gehören in ärztliche Hand; eine Anleitung zur Selbstanwendung gibt es hier deshalb nicht.

NR und NMN: die besten Sicherheitsdaten

Für die Vorstufen liegen die meisten kontrollierten Daten vor:

  • NR: In einer offenen Studie mit Dosissteigerung (Airhart et al., 2017) und in randomisierten, placebokontrollierten Studien über sechs bis acht Wochen (Martens et al., 2018; Conze et al., 2019) wurde NR gut vertragen; schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf. Beschrieben wurden vereinzelt leichte Beschwerden wie Übelkeit oder Hautrötung.
  • NMN: In kleinen randomisierten Studien, etwa über zehn Wochen bei Frauen mit Prädiabetes (Yoshino et al., 2021), traten ebenfalls keine relevanten Nebenwirkungen auf.

Die Grenzen: Die Studien waren klein, liefen Wochen bis wenige Monate und schlossen meist gesunde Erwachsene ein.

Niacin: der bekannte „Flush“

Niacin (Nicotinsäure) verursacht in höheren Mengen eine typische, harmlose, aber unangenehme Hautrötung mit Wärmegefühl („Flush“). In sehr hohen Mengen kann es die Leber belasten. NR und NMN lösen diesen Flush in der Regel nicht aus, weil sie über einen anderen Stoffwechselweg zu NAD+ werden.

Offene Fragen

  • Langzeitsicherheit: Daten über Jahre fehlen für alle Formen.
  • Tumorbiologie: Krebszellen haben einen hohen NAD+-Bedarf. Ob eine dauerhafte Erhöhung des NAD+-Spiegels das Wachstum bestehender Tumoren beeinflussen kann, wird diskutiert; Belege beim Menschen gibt es dafür nicht.
  • Methylgruppen: Beim Abbau von Nicotinamid werden Methylgruppen verbraucht. Ob das bei langfristiger Einnahme hoher Mengen eine Rolle spielt, ist ungeklärt.

Was sagen Erfahrungsberichte?

Suchanfragen nach „NAD+ Erfahrungen“ führen zu vielen persönlichen Berichten über mehr Energie oder besseren Schlaf. Solche Berichte haben keine Vergleichsgruppe, die Wirkung des Erwartungseffekts ist bei Müdigkeit und Wohlbefinden groß, und die Zusammensetzung der verwendeten Produkte ist oft unbekannt. Für die Frage nach Nebenwirkungen sind kontrollierte Studien deshalb die verlässlichere Quelle.

Rechtliche Einordnung

  • NR (als Nicotinamid-Ribosidchlorid) ist in der EU als neuartiges Lebensmittel für Nahrungsergänzungsmittel zugelassen.
  • NMN war bei Redaktionsschluss in der EU nicht als neuartiges Lebensmittel zugelassen (aktueller Stand: Unionsliste der neuartigen Lebensmittel).
  • NAD+-Infusionen sind keine zugelassene Therapie, sondern ärztliche Individualleistungen.

Häufige Fragen

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Quellen

  1. Grant R et al. A Pilot Study Investigating Changes in the Human Plasma and Urine NAD+ Metabolome During a 6 Hour Intravenous Infusion of NAD+. Front Aging Neurosci. 2019;11:257.
  2. Airhart SE et al. An open-label, non-randomized study of the pharmacokinetics of the nutritional supplement nicotinamide riboside (NR) and its effects on blood NAD+ levels in healthy volunteers. PLoS One. 2017;12(12):e0186459.
  3. Martens CR et al. Chronic nicotinamide riboside supplementation is well-tolerated and elevates NAD+ in healthy middle-aged and older adults. Nat Commun. 2018;9:1286.
  4. Conze D, Brenner C, Kruger CL. Safety and Metabolism of Long-term Administration of NIAGEN (Nicotinamide Riboside Chloride) in a Randomized, Double-Blind, Placebo-controlled Clinical Trial of Healthy Overweight Adults. Sci Rep. 2019;9:9772.
  5. Yoshino M et al. Nicotinamide mononucleotide increases muscle insulin sensitivity in prediabetic women. Science. 2021;372(6547):1224–1229.
  6. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=NAD%2B%20precursor%20supplementation%20safety%20clinical%20trial

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