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Forschung & Studien

Semax Wirkung: Mechanismus, Nasenspray und Studienlage

Peptika Redaktion · Veröffentlicht · Aktualisiert · 3 Min. Lesezeit

Semax Wirkung: Mechanismus, Nasenspray und Studienlage

Semax ist ein synthetisches Peptid aus sieben Aminosäuren, entwickelt in den 1980er-Jahren in Moskau. In Russland ist es als Arzneimittel zugelassen, in der EU nicht. International ist es eines der bekanntesten Peptide der Neuroforschung. Dieser Artikel erklärt, wie Semax wirkt, warum es als Nasenspray verwendet wird und was die Studien hergeben.

Was ist Semax?

Sequenz Met-Glu-His-Phe-Pro-Gly-Pro (MEHFPGP)
Molekulargewicht ca. 813,9 Da
Herkunft Analogon des ACTH-Fragments 4–10
Entwicklung Institut für Molekulargenetik der Russischen Akademie der Wissenschaften
Zulassung Russland (Nasentropfen); keine Zulassung in der EU oder den USA

Semax besteht aus dem Abschnitt 4–7 des adrenocorticotropen Hormons (ACTH) und einer angehängten Sequenz Pro-Gly-Pro. Diese Ergänzung schützt das Peptid vor schnellem Abbau. Anders als ACTH regt Semax die Nebennieren nicht zur Cortisolbildung an: Die hormonelle Wirkung fehlt, die Effekte auf das Nervensystem bleiben.

Wirkung: was Studien zum Mechanismus zeigen

Die Wirkung von Semax wurde überwiegend an Nagetieren und Zellkulturen untersucht:

  • BDNF: Semax erhöhte im Hippocampus von Ratten die Bildung des Wachstumsfaktors BDNF und seines Rezeptors TrkB (Dolotov et al., 2006). BDNF ist zentral für Lernen, Gedächtnis und das Überleben von Nervenzellen.
  • Dopamin und Serotonin: In Nagern aktivierte Semax dopaminerge und serotonerge Systeme im Gehirn (Eremin et al., 2005).
  • Schutz bei Durchblutungsstörungen: In Rattenmodellen des Schlaganfalls veränderte Semax die Aktivität zahlreicher Gene des Immun- und Gefäßsystems (Medvedeva et al., 2014).
  • Regulatorische Peptide: Beschrieben ist zudem eine Hemmung von Enzymen, die körpereigene Enkephaline abbauen. Das könnte erklären, warum Effekte länger anhalten als das Peptid selbst im Blut nachweisbar ist.

Klinische Studien

Die klinischen Daten stammen fast ausschließlich aus Russland, vor allem aus Studien zur Rehabilitation nach ischämischem Schlaganfall und zu kognitiven Störungen. Viele dieser Studien sind klein, teils nicht verblindet und überwiegend auf Russisch veröffentlicht. Große, randomisierte Studien nach westlichen Zulassungsstandards gibt es nicht. Deshalb ist Semax in der EU nicht zugelassen.

Warum ein Nasenspray?

Peptide werden im Verdauungstrakt abgebaut, und aus dem Blut gelangen sie nur schwer ins Gehirn. Über die Nasenschleimhaut erreicht ein Teil des Peptids das zentrale Nervensystem schneller. Deshalb ist Semax in Russland als Nasentropfen registriert, in zwei Konzentrationen (0,1 % und 1 %) für unterschiedliche Anwendungsgebiete. Die Dosierungsangaben dieser Präparate gelten für die dort zugelassenen Indikationen unter ärztlicher Aufsicht; eine geprüfte Dosierung für andere Zwecke gibt es nicht.

N-Acetyl-Semax

„N-Acetyl-Semax“ oder „N-Acetyl-Semax-Amidat“ ist eine chemisch veränderte Variante mit geschützten Enden, die stabiler sein soll. Sie wird vor allem im Nootropika-Handel angeboten. Klinische Studien oder eine Zulassung gibt es für diese Variante nicht; Aussagen über eine stärkere Wirkung beruhen auf Herstellerangaben.

Nebenwirkungen

In der russischen Literatur gilt Semax als gut verträglich; beschrieben sind vor allem leichte, örtliche Reizungen der Nasenschleimhaut. Systematische Sicherheitsdaten nach EU-Standard, Daten zu Wechselwirkungen und Langzeitdaten fehlen. Erfahrungsberichte aus Foren ersetzen solche Daten nicht: Sie haben keine Vergleichsgruppe, und gerade bei Konzentration und Stimmung ist der Erwartungseffekt groß.

Semax und Selank

Semax und Selank stammen aus demselben Institut und tragen beide die stabilisierende Pro-Gly-Pro-Sequenz. Semax leitet sich von ACTH ab und wird vor allem zu Kognition und Neuroprotektion untersucht, Selank leitet sich vom Immunpeptid Tuftsin ab und wird vor allem zu Angst und Stress untersucht.

Häufige Fragen

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Quellen

  1. Dolotov OV et al. Semax, an analog of ACTH(4-10) with cognitive effects, regulates BDNF and trkB expression in the rat hippocampus. Brain Res. 2006;1117(1):54–60.
  2. Eremin KO et al. Semax, an ACTH(4-10) analogue with nootropic properties, activates dopaminergic and serotoninergic brain systems in rodents. Neurochem Res. 2005;30(12):1493–1500.
  3. Medvedeva EV et al. The peptide semax affects the expression of genes related to the immune and vascular systems in rat brain focal ischemia: genome-wide transcriptional analysis. BMC Genomics. 2014;15:228.
  4. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=semax
  5. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=semax%20stroke

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