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Forschung & Studien

Retatrutide Nebenwirkungen: Was die Studien zeigen

Peptika Redaktion · Veröffentlicht · 3 Min. Lesezeit

Retatrutide Nebenwirkungen: Was die Studien zeigen

Retatrutide (Entwicklungsname LY3437943, auch Retatrutid oder „Reta“) ist ein Peptid, das gleichzeitig drei Rezeptoren aktiviert: den GLP-1-, den GIP- und den Glukagon-Rezeptor. Es wird deshalb oft als „Triple-Agonist“ oder „GLP-3“ bezeichnet. Mit der Aufmerksamkeit für die Ergebnisse zur Gewichtsreduktion wächst die Frage nach der Verträglichkeit. Dieser Artikel fasst zusammen, welche Nebenwirkungen in den veröffentlichten klinischen Studien beobachtet wurden.

Auf welche Daten sich die Aussagen stützen

Belastbare Aussagen zu Nebenwirkungen stammen aus randomisierten, placebokontrollierten Studien des Herstellers:

  • Phase-2-Studie zu Adipositas (Jastreboff et al., New England Journal of Medicine, 2023): 338 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas, 48 Wochen, wöchentliche Gabe in den Dosisstufen 1, 4, 8 und 12 mg gegen Placebo.
  • Phase-2-Studie zu Typ-2-Diabetes (Rosenstock et al., The Lancet, 2023): 281 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, 36 Wochen, Vergleich mit Placebo und Dulaglutid.
  • Das Phase-3-Programm TRIUMPH mit mehreren tausend Teilnehmenden ist das Programm, aus dem die vollständigen Sicherheitsdaten für eine Zulassung kommen werden.

Alle Angaben unten beziehen sich auf diese Studienbedingungen: ärztlich überwachte Teilnehmende, standardisierte Dosierung und Titration.

Die häufigsten Nebenwirkungen: Magen-Darm-Trakt

Wie bei allen Wirkstoffen, die den GLP-1-Rezeptor aktivieren, standen gastrointestinale Beschwerden im Vordergrund:

  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Verstopfung

In der Adipositas-Studie waren diese Ereignisse überwiegend leicht bis mittelgradig und traten vor allem in der Phase der Dosissteigerung auf. Ihre Häufigkeit stieg mit der Dosis. Gruppen, die mit einer niedrigeren Anfangsdosis (2 mg) begannen, berichteten weniger gastrointestinale Ereignisse als Gruppen, die direkt höher einstiegen. Das entspricht dem bekannten Muster der Wirkstoffklasse: Der Körper gewöhnt sich über mehrere Wochen an die Rezeptoraktivierung.

Herzfrequenz

Ein zweiter, in beiden Phase-2-Studien beschriebener Befund ist ein dosisabhängiger Anstieg der Ruheherzfrequenz. In der Adipositas-Studie erreichte er seinen Höhepunkt etwa nach 24 Wochen und ging danach wieder zurück. Ein Herzfrequenzanstieg ist auch von GLP-1-Rezeptoragonisten bekannt; bei Retatrutide wird zusätzlich die Glukagon-Komponente als möglicher Beitrag diskutiert. Welche Bedeutung das langfristig hat, sollen die größeren Phase-3-Studien klären.

Studienabbrüche

Ein Teil der Teilnehmenden beendete die Behandlung wegen Nebenwirkungen vorzeitig, ebenfalls häufiger in den höheren Dosisgruppen. Die genauen Raten je Dosisgruppe sind in den Originalpublikationen tabelliert; für eine Einordnung lohnt der Blick dorthin, weil sie zwischen den Studien und Dosisschemata deutlich schwanken.

Klassenbekannte Risiken, die beobachtet werden

Für GLP-1-basierte Wirkstoffe werden in Studien und nach der Zulassung einige seltene Ereignisse besonders überwacht. Sie sind für Retatrutide nicht als gesichert belegt, gehören aber zur Sicherheitsbewertung jedes neuen Wirkstoffs dieser Klasse:

  • Erkrankungen der Gallenblase (z. B. Gallensteine, oft im Zusammenhang mit schnellem Gewichtsverlust)
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
  • Unterzuckerung in Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Mitteln
  • Verlust an Muskelmasse als Teil des Gewichtsverlusts (Körperzusammensetzung wird in Studien eigens gemessen)

Was noch offen ist

  • Langzeitdaten: Die Phase-2-Studien liefen 36 bis 48 Wochen. Aussagen über mehrere Jahre stehen aus.
  • Seltene Ereignisse: Mit wenigen hundert Teilnehmenden lassen sich seltene Nebenwirkungen nicht sicher erfassen. Dafür sind die Phase-3-Studien ausgelegt.
  • Glukagon-Effekte: Wie sich die zusätzliche Glukagon-Rezeptor-Aktivierung langfristig auf Leber, Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel auswirkt, ist Gegenstand laufender Forschung.

Zulassungsstatus

Retatrutide ist ein Prüfpräparat in klinischer Entwicklung (Phase 3). Ein Arzneimittel mit diesem Wirkstoff war bei Redaktionsschluss in der EU nicht zugelassen; den aktuellen Stand veröffentlicht die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Präparate aus nicht kontrollierten Quellen unterliegen keiner Arzneimittelüberwachung.

Häufige Fragen

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Quellen

  1. Jastreboff AM et al. Triple-Hormone-Receptor Agonist Retatrutide for Obesity — A Phase 2 Trial. N Engl J Med. 2023;389:514–526.
  2. Rosenstock J et al. Retatrutide, a GIP, GLP-1 and glucagon receptor agonist, for people with type 2 diabetes: a randomised, double-blind, placebo and active-controlled, parallel-group, phase 2 trial. Lancet. 2023;402:529–544.
  3. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=retatrutide%20adverse%20events

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