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Forschung & Studien

Kisspeptin: Wirkung, Entdeckung und Stand der Forschung

Peptika Redaktion · Veröffentlicht · 2 Min. Lesezeit

Kisspeptin: Wirkung, Entdeckung und Stand der Forschung

Kisspeptin ist ein Peptidhormon, das an der Spitze der Fortpflanzungsachse steht: Es entscheidet mit darüber, wann die Pubertät beginnt und ob die Hormone der Fruchtbarkeit im richtigen Takt ausgeschüttet werden. Seine Entdeckung ist eine der überraschendsten Geschichten der Endokrinologie.

Entdeckung: vom Krebsgen zum Pubertätsschalter

1996 identifizierte eine Arbeitsgruppe in Hershey (Pennsylvania) das Gen KISS1 als Gen, das die Metastasierung von Melanomzellen hemmt (Lee et al., 1996). Der Name spielt auf die „Kisses“-Schokolade aus Hershey an. Erst 2003 zeigten zwei Arbeitsgruppen unabhängig voneinander, dass Menschen mit Mutationen im Rezeptor dieses Peptids, GPR54 (heute KISS1R), nicht in die Pubertät kommen (de Roux et al., 2003; Seminara et al., 2003). Damit war klar: Kisspeptin ist unverzichtbar für die Fortpflanzung.

Formen von Kisspeptin

Das KISS1-Gen liefert ein Vorläuferprotein, aus dem Peptide verschiedener Länge entstehen: Kisspeptin-54 (auch Metastin), -14, -13 und Kisspeptin-10. Alle teilen dasselbe Ende aus zehn Aminosäuren, das an den Rezeptor bindet. Kisspeptin-10 ist damit die kürzeste voll wirksame Form, wird aber im Blut schnell abgebaut.

Wirkung im Körper

  • Hypothalamus: Kisspeptin aktiviert über KISS1R die Nervenzellen, die das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) ausschütten.
  • Hypophyse: GnRH regt die Freisetzung von LH und FSH an, die wiederum Hoden und Eierstöcke steuern (Testosteron, Östradiol, Eisprung).
  • Taktgeber: Spezialisierte Nervenzellen, nach ihren Botenstoffen Kisspeptin, Neurokinin B und Dynorphin „KNDy-Neurone“ genannt, erzeugen den pulsatilen Rhythmus der GnRH-Ausschüttung.
  • Rückkopplung: Kisspeptin-Neurone vermitteln die Wirkung der Sexualhormone auf das Gehirn und damit auch den Eisprung-auslösenden LH-Anstieg.

Was Studien am Menschen zeigen

  • Hormonantwort: Bei Männern steigerte Kisspeptin-54 die LH-Ausschüttung und den Testosteronspiegel (Dhillo et al., 2005); ähnliche Effekte wurden für Kisspeptin-10 beschrieben.
  • Kinderwunschbehandlung: Bei Frauen mit hohem Risiko für ein Überstimulationssyndrom wurde Kisspeptin-54 erfolgreich eingesetzt, um die Eizellreifung auszulösen (Jayasena et al., 2014).
  • Gehirn und Verhalten: Bildgebungsstudien untersuchen, wie Kisspeptin die Verarbeitung sexueller und emotionaler Reize beeinflusst.
  • Krebsforschung: Die ursprüngliche Rolle als Metastasen-Suppressor wird weiter untersucht.

Alle diese Studien liefen unter klinischer Überwachung; ein zugelassenes Kisspeptin-Arzneimittel gibt es nicht. Auch ein „Kisspeptin-Nasenspray“ ist kein zugelassenes Präparat.

Kisspeptin und Gonadorelin

Gonadorelin ist synthetisches GnRH und setzt eine Stufe tiefer an: Es wirkt direkt auf die Hypophyse. Kisspeptin wirkt eine Stufe darüber auf die GnRH-Neurone und nutzt damit die körpereigene Regulation.

Häufige Fragen

Weiterlesen

Quellen

  1. Lee JH et al. KiSS-1, a novel human malignant melanoma metastasis-suppressor gene. J Natl Cancer Inst. 1996;88(23):1731–1737.
  2. de Roux N et al. Hypogonadotropic hypogonadism due to loss of function of the KiSS1-derived peptide receptor GPR54. Proc Natl Acad Sci USA. 2003;100(19):10972–10976.
  3. Seminara SB et al. The GPR54 gene as a regulator of puberty. N Engl J Med. 2003;349(17):1614–1627.
  4. Dhillo WS et al. Kisspeptin-54 stimulates the hypothalamic-pituitary gonadal axis in human males. J Clin Endocrinol Metab. 2005;90(12):6609–6615.
  5. Jayasena CN et al. Efficacy and safety of kisspeptin-54 to trigger oocyte maturation in women at high risk of ovarian hyperstimulation syndrome. J Clin Invest. 2014;124(8):3667–3677.
  6. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=kisspeptin